Als Gegensatz zum allgemeinen Verständnis von Philosophie als Fach steht die Übersetzung aus dem Griechischen als Liebe zur Weisheit. Dieses Beim-Namen-Nennen macht die Philosophie zu einer gerichteten Gesinnung als innere Verfasstheit. Diese Gesinnung hat eine Ursache und eine Folge und reiht sich deshalb in einen Drei-Schritt ein. Als erstes begründet die Philosophie ihre eigene Herkunft, indem sie eine Lehre aufstellt, die ein Leben hin zum Guten hervorbringt. Das ist die Tugendlehre. Sie erkennt in ihrem Zustand die Ursachen ihrer selbst. Dieser Prozess wird Erkenntnis genannt. Die Philosophie erkennt sich in ihren Zusammenhängen selbst und ist dadurch sich selbstbefruchtend. Diese Erkenntnis von den eigenen Ursprüngen wird wiederum verschriftlicht oder sprachlich ausgedrückt. Das ist das Werk. Die Philosophie ist somit die Beschreibung der Vergangenheit. Da alles, was sich der Erfahrung entzieht Spekulation ist. Den Prozess der Erkenntnis der Zusammenhänge in der Erfahrung nennen wir Wissenschaft. Somit ist die Wissenschaft auch eine Folge der Philosophie. Weisheit ist dem Wissen durch die eigene Erkenntnis mit Wohlwollen zu begegnen. Die Liebe zur Weisheit beweist somit Themenfelder und benetzt sie mit der Weisheit. Ein Beweis wird somit nicht zu einem rein rationalen Schluss, sondern zu einer Tätigkeit, die aus der Tugend zwangsweise hervorgeht. Politische Philosophie ist somit das Ausrichten seiner Gesinnung im Hinblick auf Erkenntnis zum Fach der Politik. Politik wird in das Nest des eigenen Geistes eingeladen, der wohlwollend und nährend mit ihm umgeht.
Neben dem Werk als Beschreibung ihrer selbst ist die Philosophie als Gesinnung auch Tor zum guten Leben, zur Lebensfreude, zur Freude an Musik, Poesie und Sport, sowie die Wohlgesonnenheit zu anderen Menschen. Die Philosophie kann nur ganz ausgeschöpft werden, werden, wenn ein Mensch sie von Grund auf angeht. Das heisst sich nicht nur an ihren Früchten versucht zu erfreuen, die bitter sind, wenn man nicht ihr eigener Ast und Stamm ist. So kann auf die Frage „Was tun Philosophinnen und Philosophen?“ Geantwortet werden: Den Geist in systematischer Weise bilden. In der Art und Weise, wie die Innerlichkeit beschaffen ist steckt auch die Liebe zur Weisheit. Weisheit ist die Weise, die erzeugt wird durch die Behandlung seiner selbst. Als Fundament und erste Stufe ist somit die Ethik, mit der Moral zu erklimmen, die die Tugendlehren enthält.
Philosophie funktioniert nur über das Willkommenheißen der Erkenntnis der eigentlichen Zustände. Im Gegensatz zur Philosophie kann der Geisteszustand der Misosophia gebildet werden, der die Erkenntnis überhört. Diese Misosophia gründet sich in der Nicht-Erfüllung der Tugenden genauso wie die Philosophie durch die Erfüllung der Tugenden hervorkommt. Als Ablehnung der Weisheit lehnt sie das gute Leben ab und überhört alles, dass sie zum Fortschritt bewegen würde. Die Misosophia kann sich gekonnt unter dem Deckmantel der Philosophia verbergen und so tun, als sei sie keine andere. Es braucht einen scharfen Geist, um die beiden Antipoden auseinanderzuhalten. Die Misosophia wird bis zuletzt daran festhalten, dass sie ihre bessere Schwester ist, selbst wenn sie, als das, was sie ist entlarvt wird. Hat man die Philosophia jedoch eindeutig in sich und in anderen sowie all ihre Kinder erkannt wird man diese wie die eigenen behandeln und sie nähren. Die Kinder der Philosophia sind Kunst, Poesie, Tanz und Bewegung, sowie Feste feiern und Zusammenkunft. Das Verständnis der Philosophia bringt ein Verständnis für die mythologische Deutung der Gottheiten mit sich, die in der antiken Poesie Allegorien der Früchte des Seins sind, wenn es durch den Wandel der eigenen Gesinnung zu etwas Formbaren wird. Zerrt man zu sehr an ihr, so wird sie sich einem verschließen und es bleibt einem einzig das intellektuelle Abarbeiten ihrer Themenfelder, ohne dass sie sich einem von selbst öffnen, weil man ihnen mit Güte und der eigenen Erkenntnis der Unvollkommenheit entgegentritt. Die Gottheiten sind das, was der Mensch braucht, um ein glückliches Leben zu führen. Gibt er sich mit weniger zufrieden und huldigt sie nicht wird er nur in seiner eigenen Dumpfheit versinken und nie die Glückseligkeit der Selbstauflösung erfahren, die Eintritt, wenn man sich dem hingibt, was eine Gottheit repräsentiert.
Der menschliche Geist ist ein Wissen ansammelnder Geist, der stetig selbst bei Ablehnung des eigenen Wissens im Interesse des eigenen Wesens handelt. So hat trotz der gegensätzlichen Ausrichtung der beiden Schwestern die Mutter Sophia unser Gemüt in der Hand. Bei allem, was wir tun, können wir uns ihrem Tun im Hintergrund sicher sein. Sophia ist die Mutter, die mit bedingungsloser Liebe über uns wacht und selbst bei größter Abtrünnigkeit des Geistes weiter in unserem Sinne handelt. Im richtigen Moment wird sie einem alles, was sie über Jahre hinweg angesammelt hat ausschütten und uns alles zu Verfügung stellen, wenn wir uns mit ihrer Tochter Philosophia vermählen oder anfreunden.

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