Zeitreisen

Zeitreisen ist die Fähigkeit in der Zeit zurück zu reisen. Da die natürliche Zeit immer vorwärts geht ist die herausragende Fähigkeit die des Zurück.

Es gibt mehrere Zeitachsen. Einmal gibt es die Zeit der leblosen Objekte, die den physikalischen Kräften unterworfen sind. Als zweites gibt es die biologische Zeit, die der biologischen Entwicklung unterworfen ist. Da Zeit die Gesamtbewegung der zueinander in Beziehung stehenden Objekte ist, sind die Konstellationen der Objekte die unterschiedlichen Zeitpunkte. Die Richtung der Kräfte, die die Objekte bewegt, ist auch die Richtung der Zeit. Die Konstellation, die sich aus der positiven Gerichtetheit der Kräfte herausbildet, ist die Zukunft. Die jetzige Konstellation ist das Jetzt und die Vergangenheit ist die Konstellation, die war. Es gibt nur positive Kräfte. Eine Kraft drückt sich aus durch die Gerichtetheit einer Kraft. Es kann keine Kraft ohne Richtung geben. Da die Zeit die Gesamtheit der Kräfte abbildet wird sie parallel gemessen. Kräfte sind genauso wie die Zeit immateriell. So kann man eine Gesamtentwicklung der Objekte nachzeichnen, da sich alle Kräfte aufeinander beziehen und keine Kraft ohne Ursprung ist. Das ist die Entwicklung der Summe aller Dinge. Die Zeit der biologischen Körper ist die der Entwicklung der Lebewesen als Ganzes. Wir sagen, was auf ein Lebewesen folgt, war später und eine Gattung, die davor war, ist früher. Merkmal der Gegenwart ist, dass sie die Vergangenheit betrachten kann. Jedes Lebewesen hat eine eigene Evolution, die in ihm ablesbar ist. Es gibt Anteile, die früher da waren und Anteile die später da waren. Das ist die innerbiologische Zeitachse. Auf dieser kann man sich bewegen. Man kann sich in Hirnregionen aufhalten die als erstes oder als letztes dazukamen. Man kann sogar neue Verbindungen selbst schaffen. Es ist also möglich, sich innerbiologisch seine eigene Zukunft zu bauen. Neben der inneren Entwicklung des Menschen gibt es noch seine äußere Verortung, die auch einer Aneinanderreihung von Orten und Konstellationen unterworfen ist, die anders als bei unbelebten Dingen durch die Kraft des Lebens erzeugt wird. Diese Orte sortieren sich nach der biologischen Richtung in ein vorher und nachher und sind deshalb entkoppelt von der physikalischen Zeit. Die Zeitreise besteht nun darin bewusst zu Konstellationen zurückzukehren, die in der Vergangenheit liegen oder aber zu einem inneren Ort zurückzukehren. Das Denken ist die Spiegelung der Dinge in sich und somit hat auch das Denken eine Zeitstruktur. Die Anteile, die als erstes hinzukamen nennen wir auch Vergangenheit und die Gedanken, die als letztes hinzukamen nennen wir Zukunft. In die Vergangenheit reisen bedeutet dabei in vergangene Konstellationen zurückzukehren. Hilfsmittel dieser Zeitreisen sind unsere technischen Geräte. Mit ihnen können wir uns auf der Zeitachse bewegen. Mit dem Zug ist es möglich in eine „alte“ Stadt zurückzukehren, in der man einmal gewohnt hat. Mit dem Smartphone kann ich „alte“ Bekannte erreichen. Mit Artefakten kann ich zu einem früheren Zeitpunkt der ganzen Menschheit reisen.

Alles, was aus der Zukunft „kommt“ ist das, was aus den zukünftigen Hirnregionen derer kommt, die sie selbst in die Zeit hinein entwickelt haben. Technik ist nicht nur der neuste Stand der Dinge, sondern auch der des Denkens, das sich in neuen Verbindungen des Gehirns zeigt. Ist man in diesem Zustand und kommt zu anderen, die in einer früher entwickelten Form sind, wirkt es so, als käme man aus der Zukunft. Im Modus des Zukünftigen kommt man zu den anderen. So könnte man aus „der Zukunft“ kommen. Genauso kommen Menschen zu einem aus der Zukunft, denen man Vertrauen schenken muss. Sie berichten von dem, was man noch nicht erlebt hat und sind so „Vorgänger“, die aus der Zukunft herauskommen. Was Zukunft und was Vergangenheit ist wird dadurch relativ zum Betrachter.  In Science-Fiction Filmen wird die Zukunft meist mit einer überhöhten Technizität ausgedrückt. Fortschritt ist auch immer auch ein Wegschreiten. Die Urgründe seiner selbst kann man erforschen, indem man in die Vergangenheit reist. Die Vergangenheit der Menschheit und der Tiere ist immer die eigene Vergangenheit, da man Teil der großen biologischen Bewegung ist, die man Leben nennt. Es entsteht nun das Scheinparadox, dass frühere Kulturen und Menschen zukünftiger waren als jetzige. Und man zu der Zukunft gelangen muss, die in die Vergangenheit eingeschrieben ist. Das Figurenkabinett der Peterskirche so wie seine mächtige Kuppel sind Zeugnisse des menschenmöglichen, was für einen in der Zukunft liegt, wenn man unterhalb des Grades der Fähigkeit liegt, diese herzustellen. Sogar ein einfacher Speer aus der Bronzezeit kann zukünftig sein, wenn man selbst nicht weiß, wie Bronzeherstellung funktioniert. Der Prozess der Bronzeherstellung ist damit für einen selbst etwas, das noch entdeckt werden muss, somit zukünftig.

Alle Orte des Lebens können in eine Chronologie gestellt werden. Die Hintereinander-Reihung muss danach geschehen, wann man zuerst wo gewesen ist. So schließen sich an den Geburtsort der Schulort, der Arbeitsort, der Studienort und so weiter an. Diese Orte befinden sich normalerweise in einer Schleife, die man nicht verlässt. Am zukünftigen im Erlebten ist also das, was man als Letztes erlebt hat. Kehrt man von diesem neuen Ort wieder in die Vergangenheit zurück reist man in die Vergangenheit als Zukünftiges in sein eigenes Leben. Die Gerichtetheit des eigenen Lebens ist ein konstitutioneller Faktor. Menschen resonieren am besten miteinander, wenn sie sich in diesem Faktor gleichen. Man mag sich an einer Kreuzung begegnen, doch die Wege führen in die entgegengesetzte Richtung. Es gilt also herauszufinden, welche zeitliche Richtung man einschlagen muss. Auch ist herauszufinden wie man die Orte und in welcher Frequenz man sie besucht. Man wird zu einem Reisekönig wie Ottos der I. der Große, der seine Gebiete permanent bereiste. Man wird so zur interchronologischen Handelsmacht, die geschickt Beziehungen in alle Zeiten hinein pflegen muss, um Stabilität zu erlangen. Es kann nun zum Beispiel vorkommen, dass ich noch nie in Augsburg war. Ich kenne aber jemanden, der dort großgeworden ist. Mit dieser Person mache ich nun einen Wohnungstausch. So wird meine Wohnung für sie zum Teil der Zukunft, obwohl sie im Moment des Wohnungstausches für mich selbst das Vergangene darstellt. Umgekehrt zählt Augsburg für mich zum Zukünftigen, da ich selbst noch nie dort war. Ich konnte ohne es zu Wissen durch Technik in meine eigene Zukunft blicken, als ich eine Woche vor dem Wohnungstausch eine Dokumentation über Augsburg gesehen habe, die 2 Jahre zuvor gedreht wurde. In dem Augenblick dachte ich, dass ich Vergangenes anschaue doch das Setting hat sich innerhalb der Woche zu mir relativ zum Zukünftigen entwickelt.

Dieses Reisen ist allegorisch im Science-Fiction Genre abgebildet. Der planetare Raum eignet sich dafür am besten, da er von hoher Abstraktheit geprägt ist. Die Universen bilden die inneren Universen ab, in die man hineingeraten kann und die in Krieg und Frieden miteinander sein können. Jedes Universum der Alltagswelt hat genau wie ein Planet ein Gravitationsfeld, in das man hineingeraten kann. Man kann in Welten wie in Wurmlöcher hineingesogen werden. Auf ewig verschollen bleiben oder in Regionen kommen, in denen der Empfang gestört ist, in denen neue Energiefelder auftauchen, die die Weiterfahrt behindern. Stetig begegnet man dem Ungewissen und neuen Geschöpfen, bei denen man nicht weiß, wie ihre Kultur ist und wie sie eingestellt sind.

Strecke sagen wir, wenn sich etwas streckt. Eigentlich ist es das eigene Strecken. Eine Entfernung dehnt sich auch im zeitlichen Erleben aus. Länge wäre ein ähnliches Wort, doch in der Länge steckt das Langen. So ist wohl das eigene Austrecken der Hand nicht nur der Begriff für eine zeitlich erlebte Strecke gewesen, sondern auch für eine räumliche Entfernung. Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass es das gleiche ist. Die Elle ist wohl daher das erste Langen gewesen. Das Weiter-Greifen-Wollen ist noch in dem Begriff des „longing“ enthalten, der die Sehnsucht beschreibt. Über sein Langen hinaus zu kommen ist der Charakter der Sehnsucht. Da man nicht langt, will man weiter. Das Nicht-Langen ist wohl die Verneinung des eigenen Tuns in dem vorliegenden Raum. Da nicht begriffen wird, was zu tun ist entsteht die Sehnsucht. Ein Stehenbleiben der Zeit wird immer auditiv bemessen. Wir sagen Stillstand oder „etwas kommt zur Ruhe“.

Topic:

Kommentar verfassen