zur Liebe

Die Liebe lässt das Leben zu einem Fluss ohne Ziel werden. Sie ist inneres Aufgehen und löst die Anhaftung an Menschen und Dinge ab. Schönheit als Schonung ist ihre Folge. Auch kommen alle Hektik und jedes Streben zum Erliegen. Man taucht ein in das eigene Selbst. Die gerichtete Sprache wird durch sie stillgelegt. Man braucht keine Schlüsselwörter mehr, die auf etwas verweisen, da man schon in den Raum der Liebe eingetreten ist, in dem keine Hoffnung mehr herrscht. Dieser Raum ist von Langsamkeit geprägt. Die Muse fängt hier an ihr Werk zu tun, in dem sie es in Schönheit füllt. Sanftheit und Wonne trauen sich aus ihren Verstecken. Die Liebe bewirkt ein Zerfließen der eigenen Kräfte, die in alle Glieder und darüber hinaus in die Umgebung in Form von Ruhe ausgestrahlt wird. Vorsichtig will man andere in stiller Geste an diesem Gefühl teilhaben lassen, das an nichts gekoppelt ist. Die Liebe lässt Feindschaften zu Ende gehen, da das Gefühl der Wonne den Intellekt zum Erliegen bringt. Da Liebe von Haus aus bedingungslos ist, bringt sie das Denken zum Stillstand, da es die innere Spiegelung der Dinge ist. Sie ist eine Ausfüllung der langen Weile, die als Ort der Freiheit immer betretbar ist. Schmuck erhält durch sie eine Wichtigkeit. Verzierung kehrt automatisch in den Geist und das eigene Tun. Das Schwelgen in sich vermag ein Tun ohne Anhaftung zu vollbringen. Sie ist erdverbunden gemischt mit wohliger Wärme. Sie stellt sich beim Erklimmen des Baums des Lebens als ein Plateau dar, auf dem für eine Weile nichts geschehen muss. Alles davor war geprägt vom Greifen-Wollen. Doch in ihr kommt die Handlung zum Erliegen. Man kann ohne Sinn lieben, ohne Hände. Solange man lebt und fühlt, kann dieses Gefühl bestehen. Bei sich sein ist Lieben. Nichts vom anderen zu wollen ist Lieben. Akzeptanz ist ihre Gefolgschaft. Durch sie erduldet man alles, dessen man sich noch durch allerlei Aktivitäten entledigen muss. Geduldig sieht man den Nornen beim Abrollen des Lebensfadens an der Weltesche zu. Die Liebe ist ein Gefühl durch dessen Heiligkeit man kaum über sie zu schreiben wagt. Sie ist eine Rebellin in jedem System, da sie über jede Rolle, jeden Akt und jedes Wollen hinwegsieht. Sie kann nicht anders als alles aus dem Standpunkt der Ruhe zu beobachten. Sie hegt keinen Groll gegen das Übel der Welt, aber erkennt es doch. Im Nichts-tun liegt ihre Stärke. Sie erkennt den Mangel, aus dem Tun entsteht. Und man sieht ihr an, dass sie es erkennt. Sie ist der Versuch der stetigen Begegnung mit dem anderen in seiner reinsten Form.

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