Freiheit scheint ein zentraler Begriff unseres Zusammenlebens zu sein. Er kommt in unserer Nationalhymne als einer von drei Schlagworten vor, die als am wichtigsten für unsere Gesellschaft gelten.
Freiheit ist ein negativer Begriff. Er beschreibt, dass wir frei „von“ etwas sind. Freiheit kann nur existieren, wenn es Dinge gibt, die dabei abgelehnt werden. Diese werden scheinbar in zwei Kategorien eingeteilt, denn wir wollen nicht von allem frei sein. Genauso wie wir frei sein wollen, wollen wir auch vom Richtigen erfüllt sein. Ein gegenteiliger Begriff zur Freiheit wäre wohl „Erfülltheit“. Wir wollen erfüllt sein von dem, was wir als angenehm empfinden. Dazu zählen alle schönen Sinneseindrücke wie Gerüche und Farben. Bei Gedanken sollten wir immer von realistischen Gedanken erfüllt sein. Denn wenn wir nur schöne Gedanken wollen, verkennen wir die Realität. Statt unserer Meinung sollten wir immer anstreben mit unserem Denken der Wahrheit so nah wie möglich zu kommen, dass es ein Spiegel der Welt wird. Es scheint als lässt sich der Begriff der Freiheit nicht auf die eigene Wahrnehmung der Realität, sprich: das Denken, anwenden, da wir im Idealfall keinen Einfluss darauf haben sollten. Im Denken sollte nur die Welt ohne unser Zutun auftauchen. Die Kreation schafft die Erfülltheit, die wir uns ersehnen. Im Erschaffen von Dingen können wir der „Freiheit“ vollen Lauf lassen. Doch hier kann der Begriff auch nicht angewendet werden, denn wenn wir ganz in einen Prozess der Kreation vertieft sind, dann sind wir alles andere als frei. Alles bindet uns an diesen Prozess. Alle unsere Energie und Aufmerksamkeit konzentrieren sich auf einen Punkt. Der Begriff der Freiheit war schon immer ein gespaltener. Er kann nur auf das angewendet werden, was wir nicht wollen, nie aber auf das, was wir wollen. Bei John Stuart Mill wird Freiheit zu einem politischen Begriff, der vor allem die Redefreiheit betont. Er nutzt den Begriff, um die Stimme des Einzelnen zu verteidigen, der das Recht haben sollte, das Falsche zu sagen im Angesicht theologischer Wahrheiten. Hier bezieht sich der Begriff auf die Freiheit von Unterdrückung. Mündigkeit oder Bestimmung wären positive Begriffe, die Freiheit an dieser Stelle ablösen könnten. Der Begriff der Freiheit wird immer dann nötig, wenn ein Grundrecht des Menschen nicht selbstverständlich ist. Auf Grundrechte müsste im Idealfall nicht verwiesen werden. Erst wenn etwas nicht erfüllt ist, müssen wir darauf hinweisen. Mündigkeit ist an sich etwas Normales. Die meisten Menschen haben einen Mund, der die Fähigkeit der Kommunikation beinhaltet. Wenn diese Fähigkeit durch Einschränkung nicht gegeben ist, versuchen Menschen oft einiges um diese Fähigkeit wieder herzustellen. Das prominenteste Beispiel ist dabei wohl Steven Hawking, dem durch eine künstliche Stimme Selbstbestimmung wieder hergestellt wurde. Doch es gibt Menschen, die diese Basis des Menschseins nicht wahrhaben wollen, weswegen sie die Mündigkeit ignorieren durch Einschränkung ihrer Ausübung. Dies geschieht nicht nur in Diktaturen, sondern auch im Alltag eines jeden Menschen. Genauso wie daran gearbeitet wird, dass Menschen ihre Stimme verlieren, gibt es Kräfte, die daran arbeiten die Stimme der Menschen wieder herzustellen. Nur im äußersten Fall der Ignoranz muss auf dieses Grundrecht als „Recht“ noch einmal hingewiesen werden. Es reicht nicht zu sagen „Menschen sind mündige Wesen“. Es muss auf die Mündigkeit als „Recht“ hingewiesen werden, da die andere Partei blind gegenüber diesem Aspekt ist. Da wir alle teilblind sind und gewisse Aspekte des Menschseins und der Welt an sich nicht kennen genauso wie kennen ist es also eine Gradwanderung in wieweit die eigene Wahrnehmung der Welt durch Aussprache vervielfältigt werden darf. Vorausgesetzt es gäbe eine universell gültige Wahrheit, die sich in uns und in der Natur zeigt, dann müssten wir alle danach streben bei Erkenntnis dieser unsere Meinungen und Deinungen aufzugeben um die universelle Wahrheit zu übernehmen. Der idealistische Ansatz dessen ist der der Schule. Kinder werden dort mit dem heutigen Gedanken dazu verpflichtet eine objektive Wahrheit zu lernen, die zum gesellschaftlichen Zusammenleben verhilft. Dort ist zu erkennen, dass die Redefreiheit des Menschen erheblich eingeschränkt wirkt und genauso gefördert. Genauso wie Kinder dort sagen können, was sie denken wird dort auch vehement eingeschränkt, was sie denken. Schimpfwörter sind nicht erlaubt, Matheformeln jedoch zuhauf. Die Frage ist nun ob es moralisch vertretbar ist in dieser weise in die Erfülltheit des Kindes mit sich Selbst einzugreifen. Ist es erlaubt einem anderen Menschen zu verwehren, was er in sich trägt? Bei gewissen Eigenschaften wollen wir Menschen sogar davon befreien. Die Befreiung schließt sich an den Begriff der Freiheit an als Akt der Freiheitsherstellung durch äußeres Zutun. Ein Kind soll in der Schule von Aggression „befreit“ werden, in dem es eine Strafe erhält, wenn es andere Kinder schlägt. Bei Erwachsenen ist es meist so, dass sie sich mit großer Vehemenz zurückarbeiten wollen, was in ihnen einem Befreiungsakt als Kind unterlag. Denn die Befreiung entpuppt sich meist als Unterdrückung. Auf politischer Ebene zeigt sich auch, dass vormalige Befreier, Stürzer von Regimen zu neuen Unterdrückern werden. Die USA schreibt sich wohl am meisten auf die Fahne „Freiheit“ in die Welt zu bringen und scheut auch nicht davor im Sinne ihrer Freiheitsauslegung in den Krieg zu ziehen. Wenn der Begriff der Freiheit Anlass für Krieg ist muss dieser einer genauen Überprüfung unterzogen werden. Der amerikanische Begriff der Freiheit „freedom“ ist nicht nur einer, der sich auf den Einzelnen bezieht sondern drückt gleichzeitig die Gemeinschaft unter dem Schutzschirm des Freiseins auf. Die Etymologie des Wortes deckt auf, dass „frei“, „Freundliche“, „Freundschaft“ verbunden sind. Im Kern des Freiheit steckt also eigentlich die Freundschaft als Gruppenzugehörigkeit. Freiheit bedeutet dem Sinn nach dann so viel wie „die Herrschaft der Zusammengehörigkeit“. Man kann also nur jemanden befreien, wenn man sich mit ihm befreundet. Jeder politische Akt der „Befreiung“ schafft Teilung, wenn er nicht im Sinne der Freundschaft ausgeführt wird. Freiheit ist damit ein Akt der im positiven Zusammenleben entsteht, wenn ich den anderen als Teil von mir betrachte. Wenn es ein Miteinander gibt, dann ist die Freiheit anwesend. Wenn allein die soziale Beziehung im Vordergrund steht, dann sind alle Beteiligten von Freiheit erfüllt. Wir haben also die Freiheit in ihrer Ursprünglichkeit entlarvt und somit den Begriff mit all seinen Widersprüchen im Laufe des Denkens entlarvt. Es fällt auf, dass Einigkeit und Freiheit Synonym verwendet werden können und eine Dopplung des Sinns in der Nationalhymne entsteht. Der Aspekt der Einheit ist wohl so wichtig, dass er sich versteckt, eingeschlichen hat, um seine immense Wichtigkeit zu betonen. Nach dieser Analyse wird Freiheit zu etwas, dass jeder Mensch, der sich als Teil einer Gemeinschaft erkennt durch Freundlichkeit zu allen Beteiligten herstellen kann. Eine Freundlichkeit, die auf keinem äußerlichen Aspekt des Menschseins aufbaut, wie Herkunft, Geschlecht und alle weiteren Kodierungen in unserer Rechtsordnung, sondern einzig und allein durch die Situation des Gegenübers hervorgerufen wird. Genauso wie es eine menschliche Gemeinschaft gibt leben wir auch in Gemeinschaft mit Lebewesen, auf die sich die gleichen Gedanken anwenden lassen. Doch dazu an derer Stelle mehr.

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