Des Gelehrten Währung ist das Buch. Ein Buch ist der Beweis des stillen Seins. Der Gelehrte hat erkannt, dass doch jede gerichtete Handlung am Ende zu nichts führt, da man egal was man tut immer wieder bei seinem Grundzustand ankommt. Er hat also das Nichts-tun kultiviert. Je besser man darin wird, desto unauffälliger wird man in der Gesellschaft. Ein derartiger Rückzug führt meist zur Isolation. Doch in dieser Isolation entfaltet sich das größte Glück, wenn man am eigenen Leib Stille und Frieden erfährt. Das Glück seinen Grundzustand zu akzeptieren ist ein außerordentlich großes, was sich in Form der Akzeptanz zeigt. Wenn der Geist in dieser Stille des Körpers erwacht, findet er sich in einer neuen Art der Agilität wieder. Er kann nun frei denken und will nirgends mehr hin. Diese Freiheit des Geistes wird in ein Schriftstück gegossen, um einerseits den Kampf der eigenen Psyche zwischen Ruhe und Wallung darzustellen und um andererseits einen Beweis des eigenen Zustands zu kreieren. Dieser wird zur Manifestation seines Zustands und hilft ihm diesen in der Gesellschaft zu vertreten. Der Gelehrte kann nun sagen er hätte etwas Nützliches geschaffen. Mit anderen Gleichgesinnten kann er ein Netzwerk gründen, um den eigenen Zustand weiter zu festigen. Das ist der eigentliche Grund der Akademia. Nicht etwa zu neuen Erkenntnissen zu kommen, sondern den Zustand der Ruhe weiter auszubauen. In der Welt ist alles und jeder darauf ausgerichtet einen aus sich herauszuholen. Es ist ein gefährlicher Ort, wenn man vor hat in sich einzukehren und das Glück der Ruhe zu finden. Sehr schnell kann es passieren, dass man von der Getriebenheit der Umwelt angesteckt wird. Am gefährlichsten sind Ideen. Die Ideen, die kursieren, um das eigene Leben scheinbar besser zu machen. In der politischen Sphäre heißen diese Ideen „Agenda“, in der persönlichen „Ziele, Ambition“ und in der religiösen „Christus, Hoffnung“, in der Kunst „Schönheit“. Ich fasse sie unter dem Sammelbegriff des „orgasmischen Trugschlusses“ zusammen. Damit meine ich alles, das den Menschen suggeriert sie würden zu einem besseren Leben kommen, wenn sie dieses oder jenes hätten. Dass sie mit der Wunscherfüllung aus ihrem jetzigen Dasein gehoben würden und auf eine andere Stufe kämen, auf der es besser sei. Der Gelehrte weiß, dass diese Wünsche und Hoffnungen und in welchen Formen sie in allen möglichen Gesellschaftsbereichen auch aufkommen mögen allesamt abzuschreiben sind als Unfug und dass es der unperfekte Zustand des Jetzt ist, der allein immer Bestand hat und man nie aus ihm herausgehoben werden kann. Die Musik wird mit dieser Erkenntnis zu einer Qual, da man erkennt, dass sie immer mit der Sehnsucht spielt, die sich nie einstellt, bei jedem Versuch der Höhe und der Wallung nur noch mehr offen zu Tage tritt in welcher Tiefe man sich befindet. Jede Musik muss doch zu ihrem Grundton zurückkehren, egal welche Ausbrüche nach oben sie versucht. Verliert man sich in diesem Spiel mit dem Feuer kann man in den Wahnsinn getrieben werden, da man die Virtuosität und Komplexität des unvollkommenen Werkzeugs des Glücks immer weiter ausbaut, obwohl es doch nie das Ziel erreichen will. Alle zur Vernunft gekehrten Menschen schätzen daher das Raue gegenüber dem Glatten, das Unvollkommene gegenüber dem Schein des Vollkommenen, die Brechung anstatt der Symmetrie. So ist im Zen die Rauheit und Gedrungenheit des Ortes immer bewusst herausgearbeitet, um den Zustand des Jetzt in seiner ganzen Unvollkommenheit zu betonen und dem Geist nicht die leiseste Chance zu geben in seinen illusionären Zustand der Glückverheißung hineingezogen zu werden. Wie schnell geschieht es, dass man aus seiner Ruhe herausgerissen wird und Scheinlösungen tatsächlich erwägt. Der Geist verlässt so schnell seinen Zustand und ist so verletzlich, dass er mit allen zu Verfügung stehenden Mitteln geschützt werden muss. Am einfachsten kann man seinen Geist schützen, indem man sich in die Mühen seiner Arbeit vertieft und sich mit diesen anfreundet. Eine Zurückgezogenheit wird die Arbeit am Werk unterstützen. Auch kann es helfen sich mit Gleichgesinnten zu umgeben, was wir gemein hin als Universität beschreiben. Die Universität ist in ihrem Tonus das Antidot zur Gesellschaft. Wo die Gesellschaft in Illusion verfällt, versucht sie Klarheit zu bewahren. Anstatt Chaos und Wirrnis strebt sie Ruhe und Gelassenheit an. Der Gelehrte wird mit seinen Werken in der Gesellschaft nur ankommen, wenn er sich ihrer Logik bedient und sein Werk damit verkauft, dass es den Menschen „etwas bringen“ würde oder als Belustigung dient. Für alles andere sind sie nicht empfänglich. Der Gelehrte bleibt also besser unter sich und nimmt in Kauf, dass er von außerhalb seiner Institution, dem sicheren Hafen, verspottet wird.

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