In der Sprachphilosophie wird sich allerhand der Kopf zerbrochen über die Analytizität, Notwendigkeit und Apriorität der Sprache. Wittgensteins Versuch der Sprache ihre Eindeutigkeit zu geben, zeigt sich in seinem Versuch jedem Begriff genau eine Bedeutung zuzuschreiben. Nun wollen wir versuchen in der Gemengelage des Gesagten Klarheit zu schaffen. Die Frage, die über dem gesamten Diskurs schwebt, ist, was überhaupt in der Sprache zu finden ist. In der Sprache ist keine Wahrheit zu finden und auch keine herzustellen. In der Sprache ist einzig und allein die Intention der Sprechenden zu finden. Die Intention ist das, worauf das Wort deutet und was es kodiert. Also ist die Intention die Bedeutung des Wortes. Man stelle sich ein Kind vor, das mit 2 Jahren Hunger hat und ein „daaawaawawawawawa!“ von sich gibt. Es kann seinem Willen trinken zu wollen noch keinen genaueren Ausdruck verleihen, doch es liegt an den Eltern herauszufinden, was es genau will und gleichzeitig dem Kind durch genauere Wörter die Mittel zu geben, seinem Willen mehr und mehr Ausdruck zu verleihen. Irgendwann sagt das Kind „Hunga!“, dann „Ich habe Hunger!“, dann „Bringen sie mir bitte den Eisbecher 45 auf ihrer Karte“, dann „das Dessert war ausgezeichnet. Was empfehlen sie mir als Wein zum nächsten Gang“ und so weiter und so fort. Eine Ausdifferenzierung des Willens im Sprechen hat zur Folge, dass der Willen selbst immer mehr in den Hintergrund rückt und dieser nur noch implizit verstanden wird. Aus diesem Grund entsteht der Eindruck, dass ein Wort auf seine Bedeutung verweist. Dabei ist die Bedeutung des Wortes nur Hilfsmittel, um etwas anderes zu bedeuten. Ich kann sagen „Der Berg ist hoch“. Warum sage ich das? Ich kann damit ausdrücken, dass ich dort nicht hoch will, weil ich schon so weit gewandert bin. Die Wissenschaft schreibt sich auf die Fahne „intentionslos“ Dinge zu beschreiben, doch wieso wird dann überhaupt etwas beschrieben? Tun ist immer gerichtet. Es mag sein, dass der Akteur selbst nicht weiß, wieso er etwas tut, doch das heißt nicht, dass keine Intention vorhanden ist.
Mit dieser Bedeutung hin zur Intention kann gesagt werden, dass der Wahrheitsgehalt der Sprache in der Intention liegt. Denn wenn man erkannt hat, was der Sprechende bezwecken will, ist das mit Sicherheit wahr. Alles andere kann einem Irrtum unterworfen sein. Mit dieser Definition löst sich auch das scheinbare Problem auf, dass Wörter mehrere „Bedeutungen“ haben. In anderen Kommunikationssystemen wie der Musik ergeben sich solche Probleme nicht. Dort kann eine Note für mehrere Fälle genutzt werden. Je nach Tonart kann ein C eine andere Position in der Skala einnehmen und je nach Akkord eine andere Funktion innerhalb eines Mehrklangs. Je nach Satzart kann sie Beschwingtheit, Melancholie, Fortschritt oder Langsamkeit auslösen. Was die Note machen soll, ist von dem Willen der Komponist*innen abhängig. Die Sprache kann auch zu diesem versatilen Werkzeug gemacht werden. Die Dynamik eröffnet eigentlich einen Möglichkeitsraum, der ausgeschöpft werden könnte, anstatt als Defizit wahrgenommen zu werden. Die Probleme treten erst auf, wenn der eigene kreative Akt beim Sprechen weggedacht wird. Die Sprache wird so zu einem Kind, das seine Eltern sucht, bei denen es sich Halt verspricht. Da es diese nicht finden kann strauchelt es und versucht in sich selbst etwas zu suchen, dass eigentlich erst in der gesunden Verbindung zwischen Akteur und Aktion, Creator und Creation so wie Sprecher und Sprache zu finden ist.
Sprache kann in der Poesie dadurch „falsch“ verwendet werden. So kann ich sagen „der Himmel ist grün“. Dies kann unter logischen Gesichtspunkten als falsch bewertet werden. Aber was ist der Himmel? Kann ich eine Aussage über den Himmel machen, die analytisch korrekt ist? Gibt es den Himmel überhaupt als Einheit? Wohl kaum kann ich in einer logischen Totalsprache einen wahren Satz über die Farblichkeit des Himmels ausdrücken. Der Himmel ist blau, werden wir wohl als erstes denken. Ist er denn immer blau? Ist er weiß? Ist er blau weiß? Kann er auch rot sein? Hat der Himmel nur zu einer bestimmten Tageszeit unter bestimmten Voraussetzungen seine „richtige“ Farbe? Wenn der Himmel blau ist, was sage ich dann, wenn er mal nicht blau ist? Was muss ich sagen, wenn die „wahren Bedingungen“ nicht gegeben sind? Zurück zum Gedicht. „Der Himmel ist grün“ kann in der Poesie die Befindlichkeit der Dichtenden ausdrücken. Wann verweist das Gesprochene nicht auf die Befindlichkeit der Sprechenden? Impliziert Gesprochenes nicht immer gleichzeitig die Situation aus der heraus gesprochen wird? Bei größter Objektivität der Sprache ist immer noch nicht klar, wieso überhaupt die Beschreibung auf etwas gerichtet ist? Das ist Intention.
Um vollkommen verstanden werden zu wollen muss man sich der Unbegreiflichkeit bedienen. Wie kann es sein, dass die Musik, die ganz ohne Begriffe auskommt deutlicher zu verstehen ist als jeder Text. Die Unmittelbarkeit, ohne Bedeutung zu sein, einfach das zu sein, was es ist, macht sie zum Ausdruck der Wahrheit, die unmissverständlich tonal schwingt. Wenn Logik Worte ohne Töne abbildet, dann ist der Klang die Tonalität ohne Begriff. Der Bedeutung entledigt ist der Intention keine Grenze mehr gesetzt, kein äußeres mehr vorgestellt, an dem sie sich zu orientieren hat. Die Musik lässt keine Fragen offen und stellt auch keine. In der Musik gibt es keine Frage, nur Antwort. An den Standards der Musik sollte sich die Philosophie bedienen, die nicht in endloser Suchbewegung ersticken darf. Allein die Produktion und das Ergebnis zählen. Die musikalische Logik mit Rhythmus, Dynamik und Spannung muss auf das philosophische Schaffen angewendet werden, um ein Opus zu kreieren, dass die Geistesbewegung abbildet.
Musik und Sprache bedienen sich der gleichen Ressource: dem Atem (Atman/Seele). Die Verarbeitungsmöglichkeiten dieser zwangsweise zu nutzenden Ressource sind vielfältig. Die Musik nutzt den Ausstrom um ihn in Schwingung zu versetzen und einen gleichmäßigen endlosen Fluss zu generieren wohingegen das Sprechen diesen Strom unterteilt und abkappt. Da der Atem permanent ist drückt die Permanenz des Klangs, also die Undefiniertheit, den Atman, deutlich besser ab als die Zerstückelung. In der Zerstückelung ist er schwieriger als ganzes zu erkennen. Die Musik weiß weiter, dass alles, was sich in ihr abbildet vom Menschen kommt. Der Ausstrom ist das, was genutzt wird. Das Sprechen kann der Illusion verfallen sich nicht im Ausströmen, sondern im „beschreiben“ von etwas „anderem“ zu finden, dass „außerhalb“ von einem selbst ist. In der Musik gibt es so etwas nicht. Man könnte meinen der Unterschied zwischen Sprechen und Singen ist nur, dass man sich bei dem einen des kreativen Aktes nicht bewusst ist und beim anderen schon, weshalb man in der Bewusstheit auf die Ästhetik achtet. Wenn man sich plötzlich bewusst wird, dass egal was man mit dem Atem macht, die „Stimmung“ beeinflusst wird, wird man natürlicherweise versuchen immer die beste Stimmung zu finden.
Die Geistesbewegung drückt sich am ehesten mit ihrem auf und ab in der Musik aus. Was alles mit dem Geist gemacht werden kann, ist die Musik schlecht hin. Musik kann überhaupt erst entstehen, wenn man loslässt und den Geist ohne Vokabular sprechen lässt. Die Geistesfreiheit oder Willensfreiheit ist wohl der von Erinnerung entledigter Geist der völlig in seiner eigenen Bewegung aufgehen kann.

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