„Wir suchen überall das Unbedingte, und finden immer nur Dinge“
Novalis
Die Bedingungen in denen wir uns befinden hat mit den Dingen zu tun mit denen wir uns umgeben. Die Dinge die wir geschenkt bekommen, erwerben oder selbst herstellen tragen den Moment der Anschaffung in sich. In ihnen speichern sich die Beziehungen zu Menschen zu dem Zeitpunkt, als wir diese zu uns nahmen. Sie speichern unsere psychische Situation in der Zeit und das Gefühl, was mit der Anschaffung verbunden war. Wollen wir unsere Situation im Leben ändern, müssen wir die Dinge um uns herum verändern. Sie sind neben ihrem praktischen Nutzen Verdinglichungen unserer Weltbeziehungen. Sie sind Verträge mit der Außenwelt auf was wir uns geeinigt haben. Jedes Ding ist zugleich auch Verbindung zwischen zwei Menschen. Zwischen Hersteller und Auftraggeber, Verkäufer und Kunde oder Schenker und Beschenkter. Das Ding ist das, auf das sich zwei Menschen geeinigt haben. Das Produkt beim Kauf besiegelt die Verbindung zwischen Kundschaft und Produktion. Es stellt einen Frieden her und macht Beziehung möglich. Immer ist das Produkt Ausdruck einer dadurch geschafften Gemeinsamkeit. Selbst im informellen Spiel oder beim Basteln erschafft man gemeinsam Dinge, die die Situation materialisieren. Im Spiel wird die Heiterkeit in eine Malerei oder eine Bastelei gegossen. Im Geschäft wird die Ernsthaftigkeit durch ein Dokument oder eine Unterschrift verewigt. Immer wird der Moment zu einer Konstante ausgeweitet, indem man etwas schafft, das bleibt, um den Moment zu konservieren. Ein Ding ist wie ein psychisches Foto, das die Stimmung zu einem bestimmten Zeitpunkt einfängt. Kauft man etwas aus Mangel wird man beim Anblick des Gegenstandes immer an diesen Mangel erinnert werden. Kauft man etwas aus Freude wird man jeden Tag aufs Neue diese Freude spüren können. Ein Mitbringsel aus dem Urlaub wird einen immer an die schöne Zeit erinnern, die man dort hatte. Man wird weiter an das Meer denken, die Ausflüge, die man dort in die Wälder unternahm und die Menschen, die man dort getroffen hatte. Das Ding ist immer mehr als seine Erscheinung. Es löst ein Cluster an Erinnerungen aus und ist wie ein Schlüssel zu einer vorherigen Konstellation aus Ort, Menschen und Stimmungen. Hat man diese Verbindung für sich entdeckt kann man diese für sich nutzen, um für sich eine Umwelt zu gestalten, die bewusst dafür erstellt wurde, um jeden Tag aufs Neue beglückt zu werden. Es gibt Dinge, die lassen einen permanent in die Vergangenheit oder einen anderen Ort reisen. Bilder aus der Vergangenheit sind keine gute Idee, wenn man ganz im Jetzt leben will. Auch sollte das Ziel sein ganz im Hier zu sein. Je zentrierter das eigene Leben ist, desto zentrierter ist auch der eigene Geist und muss nicht zwischen vielen Zeiten und Orten hin und her wechseln. Eine Kohärenz der Dinge führt auch zu einer Kohärenz der Gedanken. Sich von altem zu lösen, bedeutet ganz konkret in seinem Umfeld zu schauen durch welche Objekte man noch der Vergangenheit nachsinnt. Objekte können Versuche des Auswegs sein, wenn man sich von einem Ort wegwünscht oder die Weltbeziehungen, die man an einem Ort mit einer bestimmten Identität pflegt vertiefen. Jedes Objekt, das man anschafft, hat eine symbolische soziale Bedeutung, die Menschen anzieht oder abstößt. Man bekennt sich durch etwas und schafft dadurch Anknüpfungspunkte. Will ich Menschen wissen lassen, dass ich die AfD nicht mag, so werde ich einen Sticker an die Tür hängen, der klar ausdrückt, dass ich gegen sie bin. Der AfD-Anhänger wird mit einem anderen Objekt das Gegenteilige bewirken und sich mit einem anderen Sticker für die AfD bekennen. Bei allen Objekten des Alltags findet auf subtiler Ebene immer ein Bekenntnis zu etwas statt. Welche Töpfe ich habe, wie meine Zimmerfarbe ist, welcher Bodenbelag gewählt wurde, spricht immer eine bestimmte Menschengruppe an und stößt eine andere ab. Für alles in der Welt gibt es Befürworter und Gegner und für die unterschiedlichen Geisteshaltung braucht es Manifestationen. Alles ist eine Insignie die von einem berichtet.
Eine wünschenswerte Identität beginnt also mit einer Ausstattung seiner Umwelt mit den richtigen Insignien, die die eigene gesellschaftliche Position, die man besetzen will, deutlich werden lässt. Will man als Gelehrter erkennbar sein sollte man Bücher schreiben oder erwerben, anderenfalls wird es schwierig für andere Menschen auf etwas anzuspringen, das nicht existiert. Wichtig ist dabei zu beachten, dass die bewusste Ausstattung nur dann positive Früchte tragen wird, wenn man diese aus voller Authentizität heraus tätigt und nicht berechenbar in ein „Mittel zum Zweck“ denken verfällt. Denn auch diese Haltung wird in das Objekt eingespeist und die Unehrlichkeit wird dem Objekt anhaften. An Objekten kann man die Aufrichtigkeit seiner eigenen Wünsche erkennen. Objekte, die man ohnehin nicht mag, sollte man schleunigst aus seinem Umfeld entfernen und idealerweise wegwerfen. Oft findet man gute Gründe für Objekte, die einen insgeheim stören. Wenn der erste Eindruck eines Objektes nicht positiv ist und man Gründe braucht, um diesen zu behalten, dann ist es meist keine gute Idee auf seinen Intellekt zu hören. Denn das Gefühl ist im eigenen zuhause wichtiger als der Intellekt. Ein Wohlsein stellt sich ein damit der Intellekt frei wird und genutzt werden kann. Wenn dieser mit der Legitimierung der Umwelt beschäftigt ist, kann er nicht als Werkzeug für andere Tätigkeiten genutzt werden.
Das gleiche Objekt kann abhängig davon wo es gekauft wurde unterschiedliche Wirkungen auf einen haben. Da ein Objekt neben sich selbst auch die Umstände und sozialen Beziehungen während des Kaufs speichert ist es relevant die eigenen Beweggründe zu finden, die einen zu unterschiedlichen Orten ziehen. Wenn ich bei Amazon einkaufe, werde ich wohl unbewusst immer auch an Jeff Bezos denken. Gehe ich für das gleiche Objekt in ein Geschäft in der Stadt werde ich das Gesicht der Verkäuferin im Kopf behalten. Ob sie dabei freundlich war oder ob wir uns gut verstanden haben. So sollte man immer nach seiner Intuition handeln und für sich den optimalen Ort aussuchen, an dem man sich wohlfühlt und nicht versuchen etwas günstiger zu bekommen. Alles sollte genau so erlaubt sein, wie man es sich wünscht und man sollte bereit sein einen Preis für das zu zahlen, was man in sein Leben holen will. Ist man nicht bereit ein Opfer zu bringen wird man wohl dem erwünschten Zustand seines eigenen Lebens nicht näherkommen. Alles, was man im Leben haben will, kommt mit Entbehrung einher. Der, der das größte Opfer bringen kann erhält auch den größten Lohn. Alles hat seinen Preis. Wer nicht wuchernd mit sich umgeht kreiert keine Energie, die andere angemessen belohnt und man wird dadurch weniger bekommen. Der gelungene Austausch ist dann vollbracht, wenn beide Parteien etwas von sich freisetzen.
So ist Inneneinrichtung mehr als eine gute Stimmung erzeugen. Es ist eine Mixtur, die bestimmt, ob man in Vergangenheit Gegenwart oder Zukunft gezogen wird. Ob man im Hier verankert ist oder der Ort durch andere Orte verwässert wird. Die Bedingung zu wandeln ist immer Arbeit an sich selbst. Was passiert, wenn ich mich auf etwas neues Einlasse? Wie verändert sich meine Selbstwahrnehmung, wenn ich mich in einem neuen Kontext befinde. Wie kann ich meine Persönlichkeit dadurch gestalten. Die Gestaltung beginnt dann spannend zu werden, wenn wir merken, dass wir uns selbst gestalten können. Dass nichts feststeht. Dass unsere Persönlichkeit, die wir als natürlich wahrnehmen genauso gemacht wurde wie unsere Bedingungen.

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