Geduld und Ungeduld

Ist es nicht ein Jammer, dass sich die Sphären der Geduldigen und Ungeduldigen nicht nur nicht berühren, sondern so gar nicht kompatibel sind. Der Geduldige bevorzugt die Langsamkeit, die Langeweile, sieht in Verzögerung die Möglichkeit der Ruhe. Er denkt im Sinne der Ewigkeit, nicht im Sinne des Moments. Für den Ungeduldigen ist Warten eine Qual. Er bevorzugt die Schnelligkeit, die direkte Befriedigung. In seiner Sphäre gilt Langsamkeit als etwas Schlechtes. Effizienz bedeute für ihn so schnell wie möglich zu handeln. Den jetzigen Zustand kann er meist nicht dulden. Geduld bedeutet den Moment aushalten zu können und in seinem natürlichen Tempo zu arbeiten. Die Dinge nicht erzwingen zu wollen. Je nach innerem Modus wird es Menschen je nach Typus in unterschiedliche Branchen ziehen, die aus der inneren Zeiteinstellung hervorgehen. Der Typus, der im Jetzt verweilen kann, wird sich von Orten und Menschen umgeben lassen, die in der gleichen Zeiteinstellung entstanden sind, in der er sich empfindet. So werden ihn alte Bauwerke, Tradition, langlebige Möbel, alte Epochen und Zeitalter anziehen. In seiner Wahrnehmung ist er in derselben Zeit wie sie. Zeit bedeutet hier nicht davor oder danach, sondern er lebt in der gleichen inneren Zeiteinstellung wie damals, ist mit ihnen synchron. Für ihn löst sich das Konzept der Vergangenheit auf, da die Dinge mit denen er sich verbunden fühlt noch da sind. Die Menschen mögen weg sein, doch ihr Tempo haben sie in die Dinge eingearbeitet. Unterschiedliche Zeitalter sind nicht vergangene oder zukünftige Epochen, die hintereinander in einem Zeitstrahl angeordnet werden, sondern untereinander nach ihrer Zeitstreckung oder Dehnung bewertet werden müssen, die einzig und allein in der menschlichen Psyche stattfindet. Ein schneller Typus wird sich mit schnelllebigen Materialien und Menschen verbinden und sich als in Bewegung und die Welt als konstant wahrnehmen. Er wird die Welt zum Objekt der Permanenz machen und alles, was scheinbar „in Ihr“ vorgeht. Für den langsamen Typen sieht die Welt umgekehrt aus. Er wird sich und alles im Stillstand vorfinden und die ewige Bewegung in allen Dingen erkennen, die außerhalb des Zeitgefühls des Menschen passiert, der in Bewegung ist. Zeitreisen bedeutet also nicht alles, um einen herum zu verändern oder seinen Körper zu pulverisieren oder die Physik zu beeinflussen sondern seinen eigenen Zustand zu verändern, der wie bei einem Radio auf unterschiedliche Wellenlängen eingestellt werden kann.

Es ist eine Schande, dass diese Paralleluniversen durch den Fokus, den ein Mensch auf bestimmte Dinge hat trotz Deckungsgleichheit nicht miteinander verbunden sind. Ein Mensch, der auf der Suche nach Fallobst ist wird nach unten schauen und die reifen Äpfel nicht am Baum sehen können, die direkt über seinem Kopf in greifbarer Nähe wären.

Das Wort „Welt“ beschreibt diesen Zustand etymologisch korrekt, da es sich von „Wer-old“ , der Manns-Zeit, ableitet. Es scheint das Wissen um die Konstruktion der äußeren Welt durch die innere Zeit in sich zu tragen. Die Welt, oder Raum-Zeit ist also aus sich selbst heraus veränderbar und zwingend von einem abhängig.

Das Wort der Duldung ist auch eines, das Ertragbarkeit beschreibt. Der Geduldige lässt sich von der kurzweiligen Wogen der des Alltags nicht aus seiner Bahn werfen. Er erträgt die Schläge der Wellen an seine Seiten und hält Kurs. Der Ungeduldige lässt sich von diesen hin und her werfen und gerät bei der kleinsten Schwankung in Panik, ob er nicht doch die Richtung ändern und sich nach dem ständig wechselnden Wind orientieren soll.

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